An diejenigen, die bereit sind,
den Dingen auf den Grund zu gehen.
Wenn Sie diese Zeilen lesen, gehören Sie bereits zu einem ausgesuchten Kreis von Menschen.
Nicht, weil Sie bereits überzeugt sind.
Sondern weil Sie bereit sind, zuzuhören.
Vielleicht entscheiden Sie sich danach, unseren Weg mit noch mehr Engagement zu begleiten. Vielleicht kommen Sie zu einer anderen Schlussfolgerung. Beides ist in Ordnung.
Denn Wissenschaft war niemals eine Frage des Glaubens.
Sie war immer eine Einladung, genauer hinzusehen.
Ich möchte Ihnen deshalb nicht zuerst von einer Technologie erzählen. Ich möchte Ihnen erzählen, warum ich achtzehn Jahre meines Lebens einer Idee gewidmet habe.
Der Anfang
Ich stamme aus einer naturwissenschaftlich geprägten Familie. Mein Vater war Kernphysiker. Meine Mutter Chemikerin. Mein Großvater Ingenieur.
Schon als Kind bestand meine Welt aus Experimenten, mathematischen Aufgaben, technischen Basteleien und Schachpartien mit meinem Vater. Wer selbst Schach spielt, weiß: Man lernt früh, mehrere Züge vorauszudenken — und nicht nur das Offensichtliche zu sehen.
Trotzdem führte mich mein beruflicher Weg zunächst in eine ganz andere Richtung. Ich wurde Unternehmer. Über viele Jahre durfte ich ein großes Immobilienunternehmen führen und wirtschaftlich sehr erfolgreich sein.
Doch die Naturwissenschaft verschwand nie aus meinem Leben.
Sie wartete nur auf den richtigen Moment.
Eine Erinnerung, die alles veränderte
Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit. Mein Vater brachte von seinen Reisen kleine technische Spielzeuge mit — manche wurden bereits von winzigen Solarzellen betrieben. Damals erklärte uns ein Physiklehrer, das könne so eigentlich nicht funktionieren.
Einige Jahre später kamen die ersten Solartaschenrechner. Was gestern noch unmöglich erschien, lag plötzlich auf jedem Schreibtisch.
Nicht jede neue Beobachtung passt sofort in das bestehende Weltbild. Manchmal verändert sich zuerst die Wirklichkeit. Die Erklärung folgt erst Jahre später.
Der Tag im Gotthard
Anfang des Jahres 2008 bat mich mein Vater um etwas, worum er mich in seinem ganzen Leben nie zuvor gebeten hatte.
„Ich möchte dir etwas zeigen."
Ein befreundeter Professor arbeitete an einem ungewöhnlichen Experiment. Er erhielt kaum Unterstützung. Mein Vater fragte mich, ob ich bereit wäre, mir den Versuchsaufbau anzusehen und gegebenenfalls dessen Fortführung finanziell zu ermöglichen.
Wir fuhren in die Schweiz. Tief in das Gotthardmassiv. Dort, hunderte Meter unter der Erde, standen ein Professor, einige wissenschaftliche Mitarbeiter, Studenten und ein kleiner Versuchsaufbau.
Keine große Bühne. Keine Kameras. Keine Schlagzeilen.
Nur Wissenschaft.
Dann geschah etwas, das ich bis heute nicht vergessen habe. Eine kleine Lampe leuchtete. Nicht spektakulär. Aber sie leuchtete.
Ich fragte: „Wo ist die Batterie?"
Der Professor lächelte. „Es gibt keine."
Damals war nicht klar, was genau den Effekt auslöste. Ob es Neutrinos waren, andere Umgebungsstrahlung oder eine Kombination mehrerer Faktoren — das sollte erst die Forschung der kommenden Jahre klären. Aber die Beobachtung war real. Und sie war reproduzierbar.
Heute weiß ich, dass mich weniger ein einzelnes Wort faszinierte als die Möglichkeit, dass hinter einer ungewöhnlichen Beobachtung etwas verborgen sein könnte, das noch nicht vollständig verstanden war.
Die Jahre ohne Worte
Heute nennen wir diese Zeit „Die Jahre ohne Worte". Nicht, weil nichts geschah. Sondern weil uns die Sprache fehlte.
Wir beobachteten reproduzierbare Effekte in Materialien. Wir sahen, dass Strukturen im Nanobereich Eigenschaften entwickelten, die mit klassischen Modellen allein nicht vollständig beschrieben werden konnten.
Graphen begann gerade, die Materialwissenschaft zu verändern. Neue Kohlenstoffstrukturen eröffneten Möglichkeiten, die wenige Jahre zuvor noch undenkbar gewesen wären.
Wir arbeiteten.
Wir experimentierten.
Wir maßen.
Wir verwarfen Hypothesen.
Wir entwickelten neue.
Damals gaben wir unserem Projekt den Namen „Neutrino Energy". Nicht, weil wir bereits alle physikalischen Zusammenhänge vollständig erklären konnten. Sondern weil dieser Begriff sinnbildlich für unsere Suche nach bislang wenig erschlossenen Energiebeiträgen aus der Umgebung stand.
Im Rückblick würde ich manches anders benennen.
Aber ich würde keinen einzigen Tag dieser Suche missen.
Gegen den Strom
Ich entschied mich, das Projekt zu finanzieren. Nicht mit fremdem Kapital. Mit meinem eigenen.
Ich gründete Unternehmen. Ich sicherte Marken. Ich investierte Vermögen, Zeit und mein gesamtes unternehmerisches Netzwerk.
2014 gingen wir erstmals an die Öffentlichkeit. Der Bundespresseball in Berlin. Ich glaubte, Journalisten würden dieselben Fragen stellen wie Wissenschaftler. Ich irrte mich.
Aus einer technologischen Geschichte wurde plötzlich eine Schlagzeile. Nicht unsere Experimente wurden diskutiert. Nicht unsere Materialien. Nicht unsere Messergebnisse. Sondern ein einziges Wort: „Neutrino."
Von diesem Moment an wurde vieles auf eine Behauptung reduziert, die wir selbst so nie aufgestellt hatten. Es entstand ein Bild, das mit unserer tatsächlichen Forschungsarbeit wenig zu tun hatte. Die öffentliche Debatte entwickelte ihre eigene Dynamik.
Der Preis eines ungewöhnlichen Weges
Die folgenden Jahre waren schwer. Es gab Zweifel. Kritik. Ermittlungen wegen angeblichen Betrugs, weil man unterstellte, wir würden Neutrinos „in einer Kiste einfangen" wollen. Daraus resultierten Durchsuchungen und Beschlagnahmungen, und es gab immer wieder Physiker, die erklärten, alles was wir tun, sei Unsinn — man könne Neutrinos nicht einfangen. Das befeuerte die Gerichte und die Ermittler.
Alle diese Verfahren endeten nach Jahren, ohne die Vorwürfe zu bestätigen. Die Beobachtungen waren real und reproduzierbar — auch wenn wir immer noch keine vollständige Erklärung für alle beobachteten Effekte hatten.
Doch Zeit lässt sich nicht zurückgeben.
In dieser ohnehin schweren Zeit verlor ich Menschen, die mich mein ganzes Leben begleitet hatten. Meine Mutter. Später meinen Vater. Meinen Bruder. Freunde. Wissenschaftliche Weggefährten.
Mit jedem Abschied wurde aus einem Forschungsprojekt mehr als ein Unternehmen. Es wurde eine Verpflichtung.
Ich erinnere mich an einen stillen Moment. Ich stand an den Gräbern meiner Eltern. Später auch an denen anderer Menschen, die dieses Projekt mitgetragen hatten.
Dort fasste ich einen Entschluss. Nicht aus Trotz. Nicht aus Ehrgeiz. Sondern aus Verantwortung. Ich würde diesen Weg weitergehen. Nicht um Recht zu behalten. Sondern um herauszufinden, wohin die Wahrheit führt.
Die Sprache kehrt zurück
Mit den Jahren veränderte sich die wissenschaftliche Landschaft. Die Materialwissenschaft entwickelte sich rasant. Neue Arbeiten zu Graphen, Dirac-Materialien und nanoskaligen Effekten eröffneten zusätzliche Perspektiven.
Auch die experimentelle Neutrinophysik machte große Fortschritte. Nicht jede dieser Entwicklungen bestätigt unmittelbar unsere Modelle. Aber sie erweiterten den wissenschaftlichen Kontext erheblich.
Vor allem lernten wir selbst dazu. Wir erkannten, dass unsere Aufgabe nie darin bestand, eine einzelne Fabrik zu bauen. Unsere eigentliche Aufgabe war größer.
Wir entwickelten eine wissenschaftliche Architektur. Wir formulierten Zusammenhänge. Wir strukturierten Erkenntnisse. Wir entwickelten eine Masterformel als theoretischen Rahmen für die von uns untersuchten Beiträge verschiedener Umgebungsenergiequellen und deren Wechselwirkungen.
Wir schufen eine Grundlage, auf der künftig weitere Forschung, technische Entwicklung und industrielle Umsetzung aufbauen können.
Heute verstehe ich unsere Rolle nicht mehr als die eines klassischen Herstellers. Sondern als Architekten einer technologischen Plattform.
Niemand baut Zukunft allein
Wenn heute über Neutrino Energy gesprochen wird, sehen viele nur mein Gesicht. Das ist verständlich. Aber es ist nicht die Wahrheit.
Hinter jedem Fortschritt stehen Menschen, deren Namen kaum jemand kennt.
Physiker. Chemiker. Materialwissenschaftler.
Ingenieure. Programmierer. Laboranten.
Mitarbeiter. Partner. Familien. Freunde.
Sie alle haben ihren Teil beigetragen. Manche mit Wissen. Manche mit Mut. Manche mit Geduld. Manche mit Liebe. Manche einfach dadurch, dass sie nicht aufgehört haben zu glauben, dass sich Ausdauer irgendwann auszahlt.
Ihnen allen gilt mein tiefster Dank.
Der Staffelstab
Warum erzähle ich Ihnen das alles?
Nicht, um Bewunderung zu erhalten. Nicht, um Mitleid zu erzeugen. Und auch nicht, um jemanden zu überzeugen.
Ich erzähle es Ihnen, weil ich glaube, dass große Ideen niemals einem einzelnen Menschen gehören. Sie werden irgendwann größer als ihr Gründer. Größer als ein Unternehmen. Größer als eine Generation.
Deshalb gebe ich Ihnen heute symbolisch einen Staffelstab.
Nehmen Sie nichts ungeprüft hin. Stellen Sie Fragen. Lesen Sie. Prüfen Sie. Sprechen Sie mit Wissenschaftlern. Hinterfragen Sie auch uns. Genau so entsteht Fortschritt.
Wenn Sie nach dieser Prüfung zu dem Schluss kommen, dass dieser Weg Unterstützung verdient, dann lade ich Sie ein, Teil dieser Reise zu werden.
Vielleicht als wissenschaftlicher Partner.
Vielleicht als industrieller Partner.
Vielleicht als Unternehmer.
Vielleicht als Lizenznehmer.
Vielleicht einfach als Mensch, der bereit ist, eine Idee weiterzutragen.
Denn jede große Veränderung beginnt mit Menschen, die Verantwortung übernehmen, bevor die Welt erkennt, dass sich etwas verändert.
Ich habe achtzehn Jahre meines Lebens in diese Aufgabe investiert. Nicht, weil ich wusste, dass der Weg leicht sein würde. Sondern weil ich überzeugt war, dass manche Ideen es wert sind, ein Leben lang verfolgt zu werden.
Heute stehen wir an einem neuen Anfang. Die Jahre ohne Worte liegen hinter uns. Heute haben wir Worte. Heute haben wir Erfahrungen. Heute haben wir wissenschaftliche Werkzeuge, die viele unserer damaligen Beobachtungen präziser einordnen helfen.
Vor allem aber haben wir etwas, das in den ersten Jahren oft fehlte: Eine Gemeinschaft von Menschen, die bereit ist, Verantwortung für Zukunft zu übernehmen.
Wenn diese Geschichte Sie berührt hat, dann bitte ich Sie nicht um Beifall.
Ich bitte Sie nur um eines:
Geben Sie diesen Gedanken weiter.
Denn vielleicht beginnt genau in dem Moment, in dem Sie ihn mit einem anderen Menschen teilen, das nächste Kapitel einer Geschichte, die längst nicht mehr nur unsere ist.
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